Schwester sein

 


Lebensform
Unsere Lebensform, gemeinschaftlich in einer Kommunität zu leben, ist eine mögliche Form, Nachfolge Jesu Christi zu gestalten. Es gibt sie seit Jahrhunderten.
Gott hat uns dazu berufen, als Schwestern zu leben und ihm und unseren Nächsten zu dienen. Wir erfahren darin das Geschenk von Freiheit. Aus dieser Freiheit heraus leben wir nach den von der Kirche seit jeher als «evangelische Räte» bezeichneten Leitlinien des Ordenslebens: Gehorsam in Mündigkeit, Ehelosigkeit und Anspruchslosigkeit. Wir orientieren uns an der Benediktsregel.

 

Die evangelischen Räte

Unsere Hingabe an Gott konkretisiert sich zeichenhaft in den drei «Evangelischen Räten» Gehorsam, Ehelosigkeit und Armut, die zeichenhaft eine geistliche Grundhaltung ausdrücken sollen. Die «Räte» oder «Ratschläge» werden als Herausforderung an die Welt gesehen, die im Bann von Besitzstreben, Sexualität und Macht steht. Sie berufen sich auf die Bibel sowie die kirchliche Praxis, deren Ursprünge sich im Wesentlichen ins 4. Jahrhundert zurückdatieren lassen.
Im offenen, übertragenen Sinn haben sie Bedeutung für alle Christen gegeben sind in einem übertragenen Sinn. Jeder Christ ist aufgerufen, Gott die erste Stelle im Leben zu geben (Ehelosigkeit). Jeder Christ ist aufgerufen, sich nicht an seinem materiellen und geistigen Besitz festzukrallen (Armut). Jeder Christ ist aufgerufen, das totale Selbstbestimmungsrecht um Jesu willen aufzugegen, um nach seinem Willen zu fragen (Gehorsam). Jesus nachfolgen heisst in diesem Sinne: Teilhabe an seiner Ehelosigkeit, seiner Armut und seinem Gehorsam.
Die Evangelischen Räte sind aber nicht Selbstzweck, sondern sie werden um des Himmelreiches willen vollzogen. Diese geistliche Lebenshaltung macht frei für Gott und die Mitmenschen. Sie erleichtert das Hören und Halten der göttlichen Weisungen und macht verfügbar für seine Sendung. Der Verzicht kann sich aber auch als Freiheit äussern: Ehelosigkeit als Freiheit vom DU; Armut als Freiheit vom ES; Gehorsam als Freiheit vom ICH.

Gehorsam
«Der Gehorsam ist die Haltung derer, denen die Liebe zu Christus über alles geht.» (Benediktsregel 5,2)

Hören und Gehorsam sind ein Grundsatz der Benediktregel und ziehen sich wie ein roter Faden durch sie hindurch. Der Gehorsam hat seinen Ursprung und sein Urbild im Gehorsam Jesu Christi dem Vater gegenüber.
Unter Gehorsam versteht Benedikt die Tatsache, dass alle Glieder auf Gottes Wort, die Regel und die Geschwister hören und so Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Sie sind aufgerufen, sich von der Gemeinschaft fordern zu lassen, anstatt sich auf die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zurückzuziehen.
Wer sich der Gemeinschaft als einem grösseren Ganzen öffnet und darin Verantwortung übernimmt, wird selbst innerlich reich. Im Einander-Dienen finden wir zu uns selbst. Das ist der mündige Gehorsam eines erwachsenen Menschen, den wir anstreben.

Ehelosigkeit
«Der Liebe zu Christus nichts vorziehen.» (Benediktsregel 4,21)

"Frei für Gott und die Menschen" - so lautet das Ziel ehelosen Lebens. Ohne die intensive, erfüllende Gemeinschaft der Liebe mit Gott, das stete Wandeln in seiner heilvollen Gegenwart, ist eheloses Leben armselig und trostlos. Die innige Beziehung zu Gott hat Priorität. Bei ihm ist das erste und wahre Daheim, bei ihm ist Verständnis; er befreit zu froher, tiefer, liebevoller Gemeinschaft mit den Menschen.Das Leben in einer herzlichen und vom Vertrauen getragenen Schwesterngemeinschaft ist eine gute Hilfe, Ehelosigkeit erfüllt zu leben. So erleben wir Geborgenheit und Halt, Heimatgefühl, Zugehörigkeit, aber auch aufbauende Kritik, die ermutigt, an uns zu arbeiten und Veränderung zuzulassen. Der Alltag mit seinen Konflikten führt dazu, dass wir die Wahrheit über uns selbst im Lichte Gottes immer umfassender wahrnehmen.
So lenkt uns die Gemeinschaft mit ihren Herausforderungen jederzeit zu Gott, der unser Leben verändern und erneuern will. Seine Liebe erreicht uns in tiefen und verborgenen Wesensschichten.

Armut, Anspruchslosigkeit, Gütergemeinschaft
«Man halte sich an das Wort der Schrift: Jedem wurde soviel zugeteilt, wie er nötig hatte.» (Benediktsregel 34,1)

Benedikt versteht unter Armut vor allem die Gütergemeinschaft nach dem Vorbild der Urkirche (RB 33; 34; 55) und die persönliche Anspruchslosigkeit. Dabei ist ihm die Rücksichtnahme auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ein besonderes Anliegen (RB 34; 37). Der Abt entscheidet nach Benedikt darüber, wie weit den Bedürfnissen der Einzelnen Rechnung getragen werden soll.
Es ist eine Bedingung für den Frieden in der Gemeinschaft, dass jede Schwester mit ihren Wünschen richtig umzugehen vermag, um dann zu prüfen, ob und wie weit sie zu berücksichtigen sind. Unzufriedenheit mündet ins Murren, sie behindert den Frieden in der Gemeinschaft und ist nach Benedikt eines der "übelsten Laster". Es ist zu beachten, dass hinter Kritiksucht oft ein unbewusstes Unbehagen über sich selbst steht.

 

Berufung was verstehen wir darunter?
Wenn wir von Berufung reden, dann meinen wir die persönliche Erfahrung, dass Gott uns berührt und angesprochen hat. Darauf antworten wir aus Dankbarkeit und Liebe mit unserer ganzen Hingabe an ihn. Formen und Wege sind ganz unterschiedlich. Gott hat unserem Leben eine Richtung gegeben, die uns unseren Platz in dieser Welt gezeigt hat. Als Schwestern wissen wir uns von Gott zum kommunitären Leben berufen. Wir glauben, dass Gott jeden Menschen zum Leben mit ihm beruft und dass er Richtung schenken will in ganz verschiedene Aufgaben und Sendungen in seiner Welt.

Wir freuen uns auf neue Mitglieder, denen unsere ordensmässige Lebensform mit ihrem Auftrag im Heute Gottes Berufung ist. Sie sollen ihre Fähigkeiten und Gaben in die Gemeinschaft einbringen können.

 

Noviziat
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